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Im Brook |
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Lange hat in diesem Jahr die Märzsonne auf sich warten lassen. Regen, Schneeschauer und ein eiskalter Wind haben immer wieder meine Vorhaben durchkreuzt. Aber heut scheint die Sonne.
Im Rucksack die notwendigen Malutensilien, unter dem Arm die diesmal fast einen Meter breite, gespannte Leinwand, und in der Hand die Kiste mit der Feldstaffelei. Wer sieht heut schon einen Maler so beladen in die Natur ziehen? Aber was macht's? Bald bin ich in den versteckten Pürschpfad eingebogen, vorbei an der Eulenbude, über die Wildwiese, und schon habe ich mein Ziel erreicht.
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Mit breitem Pinsel und verdünnter Ölfarbe kommt es zunächst darauf an, das Weiß der Leinwand mit den wichtigsten Grundfarben des Motivs zu überdecken. Das dauert seine Zeit und geht mir nie schnell genug, denn erst nach diesem ersten Malgang kann mit der eigentlichen Arbeit begonnen werden. Ohnehin trifft man den genauen Farbton erst dann, wenn es möglich ist, alle Werte und Schattierungen gegeneinander abzuwägen und in Beziehung zu setzen. Es ist ein langsames Abtasten, mit dem man sich nach und nach der Wahrheit nähert. Danach geht es an die Einzelheiten. Bäume, Büsche und Schilf nehmen Formen an, Stämme und Zweige werden sichtbar und das Auge erfasst plötzlich Dinge, die vorher unerkannt blieben.
In dieser Phase empfielt es ich sich, eine Pause einzulegen, um von dem bisher Festgehalteten im wahrsten Sinne des Wortes Abstand zu gewinnen. Die Füße etws zu vertreten und aus angemessener Entfernung mit zusammengekniffenen Augen Kritik zu üben. Für kurze Zeit mache ich es mir auf dem als Sitz aufklappbaren Rucksack bequem und lasse mich von der Stimmung dieses Vorfrühlingstages einfangen. Scharen von Gänsen ziehen über mich hinweg, Kraniche rufen, und vorhin sah ich aus dem Augenwinkel den Seeadler, verfolgt von zwei Kolkraben, hinter den Erlen verschwinden.
Wald- und Wiesenmaler hat man mich einmal mit leicht spöttischem Unterton genannt. Welch schöner Titel, den ich gern annehme! Jetzt, da man nach ausgezeichneten Fotos im Atelier arbeiten kann, zieht es nur noch selten einen Maler hinaus in's Revier. Aber gerade hier wird man feststellen, um wieviel bescheidener und harmonischer doch alle Farben in der Natur sind. Und abgesehen davon, dass es bekanntlich keinen größeren Lehrmeister als die Natur gibt, bringt er sich mit dem Verzicht auf diese Übung um die größte Freude, die einem die Malerei bieten kann. Und dann ist da noch etwas. Wer mit einer gelungenen Studie oder mit einem vor der Natur angelegtem Gemälde den Heimweg antritt, der hat nicht nur die Farben, sondern alle Klänge und Düfte, die ihn umgeben haben, eingefangen. Und das Erlernte wird sich künftig in seinen Arbeiten wiederspiegeln. Heute kann ich mir eine etwas längere Pause gönnen, denn ich liege gut in der Zeit und es gibt keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten. Freiluftmaler müssen schnell arbeiten. Wie oft ändern sich die Wetterverhältnisse, lassen das Motiv in völlig veränderten Farben erscheinen und Wind und Regen tun ihr übriges, um dem Plain-air-Maler das Leben schwer zu machen. Inzwischen will sich meiner eine gewisse, trügerische Zufriedenheit bemächtigen, und die Versuchung aufzuhören, ist groß. Aber jetzt gilt es noch einmal genau hinzusehen. Nicht nur die Farbtöne, sondern die Hell-Dunkelwerte müssen noch einmal auf das Genaueste überprüft und korrigiert werden. Das lohnt immer! Dennoch wird es noch einige Zeit dauern, bis das Gemälde vollendet ist. Viele Feinheiten konnte ich mir merken, aber das Wichtigste ist, dass die Grundstimmung erfasst wurde. Die Kraniche, und eventuell eine streichende Waldschnepfe können im Atelier hineingesetzt werden. Jetzt wird es Zeit, den Heimweg anzutreten. Vorsichtig pirsche ich in der Dämmerung hinüber zum Naturpfad. Noch immer rufen die Kraniche. Nebel legt sich über das Brook, und ein Tag, wie man sich ihn als Maler und Naturfreund schöner nicht wünschen kann, geht seinem Ende entgegen. | ||||
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